Die 30-Sekunden-Zusammenfassung
- Ein Team um John Dunlosky (Kent State University) hat zehn verbreitete Lerntechniken anhand der Forschung bewertet (Dunlosky et al., 2013).
- Den höchsten Nutzen hatten Selbstabfragen und über die Zeit verteiltes Lernen (Dunlosky et al., 2013).
- Markieren, Wiederlesen und Zusammenfassen schnitten mit geringem Nutzen ab (Dunlosky et al., 2013).
- Inhalte mehrfach richtig abzurufen und in späteren Sitzungen erneut abzurufen, sorgte für haltbareres Lernen (Rawson & Dunlosky, 2011).
Klausurenphase, die Bib ist voll, auf dem Tisch liegen Skripte in drei Neonfarben. Alles ist markiert, du hast es zweimal gelesen und hast das Gefühl, es zu können. In der Prüfung ist dann die Hälfte weg. Das liegt selten an fehlender Disziplin, sondern oft an der Methode.
Welche Lernmethoden wirken laut Forschung am besten?
Dunlosky und seine Kolleginnen und Kollegen haben die Studienlage zu zehn Techniken zusammengetragen und jede nach ihrem Nutzen eingestuft. Ganz oben landeten zwei:
- Selbst abfragen. Karteikarten, Altklausuren, Fragen an den Rand des Skripts schreiben und ohne Blick beantworten. Entscheidend ist, dass du aus dem Gedächtnis abrufst, statt nur wiederzuerkennen.
- Verteilt lernen. Statt sechs Stunden am Stück lieber sechsmal eine Stunde über mehrere Tage.
Im Mittelfeld lagen Techniken wie sich selbst erklären, warum etwas stimmt, oder verschiedene Aufgabentypen gemischt üben. Und weil Lernen nachts weiterarbeitet, gehört auch genug Schlaf dazu: Welche Abendgewohnheiten helfen, steht im Beitrag zur Schlafhygiene.
Warum fühlen sich Markieren und Wiederlesen so gut an?
Weil der Text beim zweiten Lesen vertraut wirkt. Vertrautheit fühlt sich an wie Wissen, ist es aber nicht unbedingt. In der Übersicht von Dunlosky bekamen Markieren und Unterstreichen, Wiederlesen und Zusammenfassen deshalb nur einen geringen Nutzen.
Das heißt nicht, dass du nie mehr einen Textmarker anfassen darfst. Er kann helfen, beim ersten Lesen den Überblick zu behalten. Nur sollte er nicht die eigentliche Lernzeit ersetzen.
Wie oft sollte man wiederholen?
Katherine Rawson und John Dunlosky haben untersucht, wie oft Studierende einen Inhalt abrufen sollten. Ihr Ergebnis lässt sich vereinfacht so zusammenfassen: Es lohnt sich, eine Karte so lange abzufragen, bis du sie richtig weißt, und sie dann an späteren Tagen noch einmal abzurufen. Gerade dieses erneute Abrufen nach einer Pause machte das Wissen haltbarer.
Für die Praxis heißt das: Plane mehrere kurze Lernsessions, in denen du immer wieder auf alten Stoff zurückgreifst, statt jedes Kapitel einmal "fertig" zu machen.
Wie werden aus guten Lernmethoden feste Gewohnheiten?
Das Wissen über Lernmethoden nützt nur, wenn du sie regelmäßig anwendest. Ein paar Hebel:
- An einen festen Moment koppeln. "Nach dem Mittagessen in der Mensa: 15 Minuten Karteikarten." Mit Habit Stacking hängst du das Lernen an etwas, das ohnehin jeden Tag passiert.
- Klein anfangen. Zehn Karten am Tag sind besser als ein großer Lernplan, der nach drei Tagen kippt.
- Rhythmus fürs ganze Semester. Wer schon in der ersten Woche eine Lernroutine aufbaut, muss in der Klausurenphase weniger nachholen. Ideen dazu gibt es im Beitrag zur Routine zum Schulstart.
Wie TrakBit dir beim Lernen hilft
Verteiltes Lernen klappt nur, wenn du wirklich an mehreren Tagen lernst, und genau das verliert man im Unialltag schnell aus dem Blick. In TrakBit kannst du eine Gewohnheit wie "15 Minuten Selbstabfrage nach dem Mittagessen" anlegen, die Tage auswählen, an denen sie gilt, und sie abhaken. So siehst du auf einen Blick, ob du über die Woche verteilt lernst oder doch wieder alles auf den Sonntag schiebst. Leg deine erste Lerngewohnheit im Habit Tracker von TrakBit an.
Zur Streak: Sie bleibt in TrakBit nur an den Ruhetagen erhalten, die du für diese Gewohnheit festgelegt hast; lässt du einen Tag aus, der kein Ruhetag ist, reißt sie. Wenn du samstags arbeitest, trag den Samstag deshalb gleich als Ruhetag ein. Mehr Ideen, was sich neben dem Lernen zu tracken lohnt, findest du bei den Produktivitätsgewohnheiten.
Fazit
Effektive Lernmethoden sind unspektakulär: dich selbst abfragen und über mehrere Tage verteilt lernen. Lass Textmarker und Wiederlesen nicht die Hauptarbeit machen, plane kurze, regelmäßige Sessions und mach daraus eine Gewohnheit, die du verfolgst. Dann bleibt der Stoff auch nach der Klausur noch hängen.
Quellen
- Dunlosky, J., Rawson, K. A., Marsh, E. J., Nathan, M. J., & Willingham, D. T. (2013). Improving students' learning with effective learning techniques: Promising directions from cognitive and educational psychology. Psychological Science in the Public Interest, 14(1), 4–58. https://doi.org/10.1177/1529100612453266
- Rawson, K. A., & Dunlosky, J. (2011). Optimizing schedules of retrieval practice for durable and efficient learning: How much is enough? Journal of Experimental Psychology: General, 140(3), 283–302. https://doi.org/10.1037/a0023956
Häufige Fragen
Welche Lernmethode ist am effektivsten? In der Übersichtsarbeit von Dunlosky und Kolleginnen bekamen zwei Techniken die beste Bewertung: dich selbst abfragen (Practice Testing) und das Lernen über mehrere Tage verteilen (Distributed Practice).
Bringt Markieren mit Textmarker etwas? Wenig. Markieren und Unterstreichen wurden in der Übersicht als Techniken mit geringem Nutzen eingestuft, ebenso das bloße Wiederlesen und Zusammenfassen.
Wie oft sollte ich einen Stoff wiederholen? Eine feste Zahl gibt es nicht. Studien von Rawson und Dunlosky an der Kent State University sprechen dafür, Inhalte so lange abzurufen, bis du sie richtig weißt, und sie dann in späteren Sitzungen erneut abzurufen.
Ist Bulimielernen vor der Klausur wirklich so schlecht? Für den Test am nächsten Tag kann es reichen. Für Wissen, das länger halten soll, ist über Tage verteiltes Lernen laut Forschung deutlich besser.